Art Award 5/2005

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Lo sguardo dalla veranda, Acryl/Stoff, 140 x140, 2004

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Ritter, Bleistift/Papier, 150 x 58 cm, 2006

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Eröffnung der Ausstellung Strabag Artlounge

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Wien, Wien, nicht nur Du allein, Acryl/Stoff, 140 x140, 2004

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Yola, Acryl/Stoff, 3 teilig, je 100 x100 cm, 2003

MICHELA GHISETTI

Feminin aber nicht feministisch, offen und zugleich geheimnisvoll, spontan aber auch meditativ, autobiografisch aber auch archetypisch führt die Künstlerin einen Dialog mit der Welt, in der Sie gleichsam als Empfangende und Gebende agiert, indem sie die Möglichkeit entwickelt hat, Aussagen über die Welt in der Welt zu treffen. Nicht Träume werden geträumt, sondern verkörpert.

Die Frage von "Geben" und "Nehmen" ist für die Künstlerin über die Jahre eine essentielle Frage geworden, die wiederholt sich in den rezenten Arbeiten widerspiegelt. So steht auch in den Malereien mit den weissen Lichtkugeln, -flecken oder Lüstern der Malprozess in Resonanz mit der Frage, wie viel Licht es braucht. Des Weiteren bilden hier die ausgewählten Stoffhintergründe (oft schwarz-weiss gestreift) nicht nur ein räumliches Gefüge ab, sondern irritieren über ihren materialen Charakter das Vibrieren des Lichtes, indem sie die physiologische Wahrnehmbarkeit des Auges eines Rezipienten beeinträchtigen. Auf zwei unterschiedlichen Ebenen, sowohl über die künstlerische Botschaft wie auch über ihren physiologischen Träger, wird das Thema Licht "übertragen" bzw. vermittelt. In dieser mehrschichtigen wie auch fragmentarischen Anordnung ist die Malerei im weitesten Sinne auch Collage.
Mag. Andrea Helbach

Schlichte Landschaften die von einer banalen Alltäglichkeit erzählen, Blicke, die man im Allgemeinen schnell wieder vergisst. In Bilder gebannt offenbaren sie uns aber eine Realität, verursachen ein Echo in unseren Erinnerungen, dass zumeist jenseits des einfach Benennbaren liegt...

Die Einzelausstellung in der Art Lounge des Strabag Hauses zeigt eine großzügige Rauminszenierung mit gerahmten Zeichnungen auf tapezierten Wänden zum Thema Weiblichkeit sowie Malerei auf Stoff und kleinformatige Collagen.
Das weibliche Geschlecht, prätentiös geschildert, umgeben von Ritterfiguren, gibt Einblick in die Intimsphäre verschiedener Frauentypen, deren seelisch-körperlichen Befindlichkeiten psychogrammartig portraitiert sind. Privates und Autobiographisches fließt hier mit ein. Familie, Erotik, lustvoll Kulinarisches, schwankende Gefühle wie Liebe, Zweifel, Schmerz sind in der von Vitalität, Raffinesse, Spontaneität und Sinnlichkeit sprühenden Welt der Künstlerin vereint. Die Frau auf Ihrem verschlungenen Weg zu sich selbst befreit sich auf unkonventionelle Weise und mit Selbstironie von Lebenslügen und Zwängen und offeriert ihre Vorstellung zwischenmenschlicher Werte. Barbara Baum, Strabag Kunstforum

Michela Ghisetti setzt sich mit dem Blick auf das weibliche Geschlecht auseinander, welcher in der Kunstgeschichte männlich dominiert scheint. Ausgangspunkt war Gustave Courbets berühmtes Gemälde "LOrigine du monde (1866)", welches die Künstlerin in witzig-ironische, portraitähnliche Darstellungen des weiblichen Geschlechtes mit verschiedenen Frisuren als Spiegel der Persönlichkeit und des Tempraments verwandelte. Die zum Gesamtkunstwerk
passende, eigens ausgesuchte Tapete schien durch die auf Japanpapier gezeichneten, duftigen Blätter hindurch, was ein Verfließen des delikaten Genres mit dem Rest der Ausstellung bewirkte. Das mutige, sehr persönliche Statement der Künstlerin fand großen Anklang.

Die Arbeit "Wien, Wien, nicht nur du allein", wo auch ein Lüster zentral das Bild schmückt, stammt hingegen aus einer früheren Arbeitsphase. Auch wenn die gebürtige Italienerin, die seit über zwölf Jahren in Wien lebt, den Lüster als ein markantes klassizistisches Stilelement österreichischer Wohnkultur bereits früher entdeckt hat, ist dabei die Gegenüberstellung mit dem schwingenden Parmaschinken eher als eine ironische Positionierung einer kulturellen (bzw. kulinarischen) Konfrontation zweier verschiedener Lebensweisen zu lesen...

Die Malereien sind für Michela Ghisetti im wesentlichen "Lichtbilder", die über ein meditatives wie wiederholendes Ausmalen der weissen Lichtkugeln entstehen. Sie symbolisieren die vorhandenen potentiellen Energien oder Ressourcen des Menschen, die sein Wesen ausmachen, wenn sie nicht verschüttet sind. In ihnen entwickelt die Künstlerin neue Energiefelder, die auf sie selbst wie auf die Welt zurückwirken.
Mag. Andrea Helbach

MICHELA GHISETTI

1966 in Bergamo / Italien geboren
1988-96 Studium der Malerei und Grafik, Accademia Carrara die Belli Arti,    Bergamo;Akademie der bildenden Künste Wien
Lebt und arbeitet in Wien


Einzelausstellungen

1995
Ulunando, Cafe Wortner, Wien

1997 
Galerie Kunstgrün, Wien

1998 
Galerie Linea 70, Verona

2001-02
Kunsträume Vincent, Wien

2004 
Galerie in der Praxis, Wien


Gruppenausstellungen

1996 
Öesterreichisches Tabak-Museum, Wien

1997 
Gedenkstätte KZ Mauthausen Galerie Kunstgrün, Wien

1998 
Galerie Hilger, Wien; Kupferstichkabinett der Akademie Wien

1999 
Galerie Van de Loo;München

2001 
Junge Figuren; Galerie 422, Gmunden

2002 
Grenz.Kunst, Zistersdorf; artposition 2002;Soho in Ottakring, Wien

2004 
Galerie art position; Wasserturm, Wien

2005  Galerie 422, Gmunden

Preise / Ankäufe:

1997-2001 Kulturamt der Stadt Wien
1998 Kupferstichkabinett der Akademie Wien
2003 Bundeskanzleramt Wien

> Michela Ghisetti

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