Art Award 4/2007

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new place again, Öl auf Leinwand, 110 x 170 cm, 2007

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Fragen der Orientierung 3 Öl auf Leinwand, 90 x 115 cm, 2005

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Möglichkeit 4 Öl auf Leinwand, 80 x 130 cm, 2006

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1.12, 115 x 170, , Öl auf Leinwand, 2007

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BERNARD AMMERER - MOVE

Bernard Ammerer konfrontiert uns mit Situationen, denen wir in Zeitungen und Fernsehen täglich begegnen. Wir werden automatisch vom neutralen Betrachter zum Teilnehmer, da die Szenen in unseren Köpfen weiter laufen.

Das Zwischenmenschliche fasziniert den Bernard Ammerer an seinen Artgenossen. Momente, in denen eine Entscheidung fällt oder in denen eine Situation, die für Nichteingeweihte nicht unbedingt durchschaubar sein muss, „kippt“ oder kippen kann, so was mag er. Und das, was man mit dem Körper so alles anstellen kann. Beim Sport zum Beispiel. Über Zinedine Zidanes „Rammbockmanieren“ beim WM-Finale am 9. Juli, als er Marco Materazzi einfach „niedergeköpfelt“ hat, wird die Welt vielleicht nicht so lang rätseln wie über „Las Meninas“, aber Zizous Schädel lässt das Volk immerhin genauso wenig kalt wie Rembrandts Huhn die Ikonographen. Claudia Aigner

Bernhard Ammerer zeigt Szenen aus dem Alltag der Jugendkultur: Der Künstler inszeniert Settings voller Melancholie und Stille. Verträumt und abwesend wirken die gemalten Personen. Mag. Florian Steininger, Kurator Ba-Ca Kunstforum, Wien

Bernard Ammerer evoziert in seiner figurativen Malerei das Enigmatische. Dem malerischen Realismus verpflichtet, begegnen uns in seinen Arbeiten junge Menschen, die in ein Bildgeschehen involviert sind, das sich einer eindeutigen Aufklärung entzieht. Momente der Irritation und Gefahr, die den Bildern innewohnen, werden durch die demonstrative Gelassenheit seiner Protagonisten negiert. Sitzend, stehend oder liegend, den Blick in den Betrachterraum richtend oder gestisch in diesen weisend, treten sie in Interaktion sowohl miteinander als auch mit dem Betrachter. Ort des Geschehens ist die staubige Peripherie, die Randzone urbaner Zivilisation, die sowohl lokal als auch global verstanden werden kann. Es sind keine spezifischen Orte, die den Aktionsraum bilden, sondern austauschbare und allgegenwärtige Kulissen, vor denen sich die Handlung entspinnt. Ähnlich verhält es sich mit den dargestellten Personen. Zwar weisen sie individuelle Züge auf, doch bedienen sie nicht die Funktionen des Porträts. In T-Shirts, Jeans und Sneakers erweisen sie sich vielmehr als Stellvertreter einer jungen Generation, die ihre Erlebniswelt frei und unabhängig wählt und ihre Existenz durch ständig erhöhte, scheinbar arbiträre Aktionshandlungen unter Beweis stellt. Die kühle Distanz und Überlegenheit gegenüber dem Geschehen und dem Betrachter, die in der Körpersprache zum Ausdruck kommen, konterkarieren die Zeichen von Kontrollverlust und Grenzüberschreitung. Das Gewaltpotenzial wird an den Betrachter delegiert, der sich mit den Konsequenzen der innerbildlichen Handlung und nicht zuletzt mit seiner eigenen Fantasie konfrontiert sieht. An dieser Stelle wird die zuvor so vehement postulierte Souveränität durch ein Gefühl der Ambivalenz abgelöst und die Wirklichkeitsebenen von Bild- und Betrachterraum verschmelzen. Sind wir dem Spiel mit der Gefahr gewachsen oder werden wir zum Opfer unserer eigenen Empathie? Ammerers Bilder stören auf subtile Weise den Gleichmut des Betrachters und genau darin liegt ihr Reiz.
Katerina Cerny, Kunsthistorikerin und freie Kuratorin, Wien


Bernard Ammerers malerisches Werk ist dem Realismus verschrieben, der trotz aller Detailtreue als künstlich-konstruierte Welt in Erscheinung tritt. Der Künstler wählt Bekannte und Freunde zu Foto-Shootings ein, die in Folge als Protagonisten seiner Bildszenerien wirken. Haltungen, Posen und Gesten der Personen bestimmt Ammerer: introvertierte gekauerte Positionen, hastiges Laufen, in sich versunkenes Stehen, coole Break-Dance-Nummern, aggressive Machoposen.
Ammerer hinterfragt die soziale Dimension des Menschen in der Gesellschaft, seine Position in der Öffentlichkeit – wie sehr kann das Individuum sein eigenes Gesicht zeigen, was ist Maske und einstudierte Rolle? Diesen Verhaltensmustern geht der Künstler nach. Dabei orientiert er sich nach Beispielen seiner Generation.
Meist beginnt ja ein Gespräch mit einer bis dato unbekannten Person mit der Phrase: Was machst du beruflich? Eine erste gesellschaftliche Ortung und Kategorisierung findet statt.
Nach den Foto-Shootings konstruiert Ammerer Bildsituationen, die aus zwei unterschiedlichen Modulen bestehen: der Figur und dem Schauplatz. Beide sind zusammenhanglos wie bei einer freien Fotomontage kombiniert. Hier geht es um den Bruch der von der Gesellschaft streng vorgegebenen Ordnungssysteme.
So tauchen etwa in den Bildern zwei Personen auf der Autobahn auf: der eine im Bildvordergrund in sich versunken, der andere auf der Leitplanke balancierend mit ausgestrecktem Arm – vielleicht Auto stoppend, jedoch mit dem Rücken zu Verkehr? Die Szenarien wirken oft surreal traumhaft. Ein junge mit Convers-Sportschuhen zeigt auf die Peripheriezone am Horizont, gleich einer visionären, heil bringenden Geste: Hier ist endlich das heiß ersehnte Ziel unserer Reise!
Florian Steininger

Trotz der Betriebsamkeit an den gemalten Settings bleiben die Figuren jeweils in ihrer eigenen Welt, sind isoliert voneinander, wodurch eine gewisse Kühle und trostlose Atmosphäre aufkommt. Ammerer geht es keineswegs um das soziologische Spiegelbild einer No Future Generation, die auf Parkplätzen „abhängt“, sondern um bestimmte soziale Verhaltensregeln, die in seiner malerischen Bildmontage hinterfragt werden. Es entstehen aber auch neue narrative Stränge innerhalb des Bildgevierts ohne rationale Zusammenhänge. Sobald der Künstler Stift und Pinsel zur Hand nimmt, abstrahiert er die mit dem Fotoapparat zuvor festgehaltene Realität merklich. Jeder Pinselstrich, jeder Zug mit dem Bleistift markiert eine Spur des individuellen Prozesses und der freien Interpretation, trotz Realismustreue. Diesen abstrakten Wert spürt man auch im Kombinatorischen zwischen Figur und Alltagsraum und im Dialog zwischen Malerei und Zeichnung. In manchen Bildern räumt Ammerer der reinen Zeichnung viel Platz ein, indem er den Hintergrund grafisch belässt. Bevor der Künstler etwa vor sechs Jahren zur Malerei gefunden hatte, widmete er sich vorwiegend der Zeichnung. Diese Qualität ist auch in den malerisch-koloristischen Ausformulierungen von Mensch und Raum erkennbar, vor allem in der minutiösen Modellierung der Gewänder. Florian Steininger

BERNARD AMMERER

1978 in Wien geboren
2001 Abschluss des Studiums der Rechtswissenschaften, Wien
2003 Gerichtsjahr in Wien
2003 Meisterklasse für Malerei an der Universität für Angewandte Kunst bei Professor Wolfgang Herzig, Wien
2004 Dreiwöchige Teilnahme an der Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg bei der Malerin Xenia Hausner
2005 Studium der Malerei am Institut für Bildende und Mediale Kunst bei Johanna Kandl, Universität für angewandte Kunst, Wien
Lebt und arbeitet in Wien


Ausstellungen (Auswahl)

2007 
Move; Strabag Kunstforum, Wien (EA)
Qingdao Art Museum, Qingdao, China (GA)
Strabag Art Award Annerkennungspreis, Strabag Kunstforum, Wien (GA)
RED; Galerie Frey, Wien (Gruppenaust.)

2006 
The Essence; Museum für angewandte Kunst, Wien (Gruppenaust.)
Two Perspectives; Galerie Frey, Wien
REAL; Kunsthalle Krems (Gruppenaust.)

2005  
New Perspectives; Galerie Frey, Wien (GA)\par
Frisch gestrichen; Akademie der bildenden Künste Wien (Gruppenaust.)
Malstrom; Universität für angewandte Kunst, Wien (Gruppenaust.)
Alle reden vom Wetter; Hotel Kunsthof, Wien (Gruppenaust.)

2004 
Stadtgalerie Vienna (Gruppenaust.)


www.galerie-frey.com

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