Art Award 3/2008

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Haus der Kunst - Schlacht im Teutoburger Walde, Öl auf Leinwand, 150x220cm, 2006 Foto: Reklame Kontor Franc

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Schwimmerin 1936, Öl auf Leinwand, 150x200cm, 2006 Foto: Reklame Kontor Franc

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Markus Proschek Haus der Kunst- Licht, Kraft, Not, Öl auf Leinwand, 150x200cm, 2006 Foto:Reklame Kontor Franc

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Amazone - LKH Salzburg, Öl auf Molino, 150x200cm, 2006

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Preisträgerausstellung, Strabag Artaward 2008

MARKUS PROSCHEK / PATT

Wann ist Malerei Kunst und aus welchen Gründen? Diese Frage mag wohl einen möglichen Zugang zu den Arbeiten von Markus Proschek anzeigen. Anfangs befällt manchen von uns vielleicht ein Unbehagen beim Betrachten dieser Bilder. Ohne dass wir die Motive derselben je im Original gesehen haben wissen wir doch sofort wessen Geistes Kinder sie sind.
Die scheinbar stereotyp vorgestellten nackten Körper hängen zwar nicht in den Schauräumen der Museen und Sammlungen: Verschämt füllen sie Depots und Kellerräume. Dennoch fallen uns Namen wie Thorak und Ziegler ein. Maler die wir mit diesen Motiven assoziieren. „Künstler“ die im Dienst des Nationalsozialismus gleichsam programmatisch ästhetische Konzepte entwickelten und vorstellten. Auf eigentümliche Weise behaupten diese immer noch eine vorbewusste Präsenz in unserem kollektiven Bildgedächtnis. Die scheinbare Harmlosigkeit der Sujets - Akte in gefrorenen Stellungen werden immer wieder dargestellt - und die Formelhaftigkeit der Motive waren wahrscheinlich der Grund, diese gestalterischen Lösungen als schlechte Malerei oder Bildhauerei einzustufen. Dadurch schienen sie in ihrer Wirkungsgeschichte entschärft zu sein.
Aber vielleicht sind diese Werke gar nicht so harmlos wie sie durch ihre ästhetische Bewertung zu sein scheinen. ­Repräsentieren diese vielleicht einen Aspekt der Menschen­­vernichtung des Nationalsozialismus - das Bild des neu zu „züchtenden“ Menschen?

Markus Proschek, diesjähriger Hauptpreisträger, besticht mit monumentalen Gemälden, die von einer präzisen Deskription geprägt sind. Dieses mimetische Moment zeigt sich jedoch nicht in einer direkten Übersetzung der Wirklichkeit, sondern in einem spannungsreichen Arrangement der Bildmotive. Zitate der Kunstgeschichte werden in Räumlichkeiten eingeschrieben, die an faschistische ­Architekturen erinnern, oder umgekehrt: Skulpturen mit den schematisierten Merkmalen des ideologisierten ­Körpers in aktuelle Umfelder gesetzt. Florian Steininger Bank Austria Kunstforum

Markus Proschek befragt diese Relikte unserer immer noch verdrängten „Sinnesgeschichte“. Er malt diese Motive noch einmal in einer aufwändigen Lasurtechnik. Er ist sich aber der Gefahr dieser Evokation des Verdrängten wohl bewusst. Wie leicht kann dieser „Nachgang“ doch in einer Affirmation enden. Dies umgeht der Künstler indem er die Bildsprache der
„Vorbilder“ mit Zitaten des Hyper-realismus und der Installation bricht. In dieser Brechung durch eine motivische Collage zeigt sich der Riss zwischen Programmkunst und freiem Gestalten in einem Werkgefüge. Markus Proschek leistet dadurch einen erhellenden Beitrag zur Frage nach der ästhetischen Struktur des Faschismus. Boris Manner, Kurator, Wien.


MARKUS PROSCHEK

1981 geboren in Schwarzach im Pongau, Salzburg
2001 Studium der Malerei, Universität für angewandte Kunst, Wien
2003 Assistent bei Milan Knizak, Int. Sommerakademie für bildende Kunst, Salzburg
2004 Assistent bei Jacobo Borges, Int. Sommerakademie für bildende Kunst, Salzburg
2004 wird Mitglied des Vereines “Kunstwerft“
2008 Diplom
Lebt und arbeitet in Wien

Preise, Stipendien

2008 Anton Faistauer Preis 2008, Traklhaus Salzburg
2007 Emanuel und Sofie Fohn – Stipendium

Ausstellungsauswahl

2008
Elements of Light, Art Athina-Hellenic American
Union, Athen | 7parallel7 MOYA, Wien, MNAC Galeria Etaj
3/4, Bukarest | Vampyr, Intervention in der
Slg.Esterhazy, Burg Forchtenstein

2007
Internat. Projekt Karfiol-Traditionen und Rituale,
Kunsthalle Project Space, Wien | Long time not seen
MUSA, Museum auf Abruf, Wien | Ship of fools,
Kunstpavillon Innsbruck | In Touch, Qingdao Art Museum,
China | La Nave Dei Folli, Studio Angeletti, Rom

2006
Immenkönig, Alte Schmiede, Artothek der Stadt WieN
The Essence06, Museum für angewandte Kunst, Wien
Das ist doch kein Porno, Galerie Lisi Hämmerle, Bregenz
Artist in Residence, Linhart Foundation, Prag

2005
Malstrom, Universität für angewandte Kunst, Wien

2004
Malerei 04, Universität für angewandte Kunst, Wien
Sirenen im Keller, Werftgalerie, Wien

2003
The Essence, 20er-Haus, Wien | Wienroulette 1/12, Hallein
Haut, Galerie im Alcatraz | Kooperation mit A. Sandbichler,
Soho in Ottakting, Wien

2002
Segmente, Universität für angewandte Kunst,
Heiligenkreuzerhof, Wien

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