Art Award 3/2007

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subrosa, Öl auf Leinwand, 210 x 180 cm, 2006

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Without a sound, Öl auf Leinwand, 2007

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Plastic sun, Öl auf leinwand, 2007

ROBERT MUNTEAN / WITHOUT A SOUND

Die Einzelausstellung des Preisträgers des Strabag Art Award 2007, Robert Muntean, zeigt ab Oktober vorrangig neue, in seinem Atelier in Leipzig entstandene Werke sowie ältere Arbeiten, die die Entwicklung des aus der Steiermark stammenden Künstlers belegen.
Robert Muntean, 1982 in Leoben geboren, hat zunächst an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Hubert Schmalix, später an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert. Heute lebt und arbeitet er in Leipzig, das als Zentrum der neuen Kunstentwicklung Berlin bereits abgelöst hat. „Sub rosa“ war der Titel der beim Artaward 2007 prämierten Arbeiten („Im Vertraulichen, im Geheimen“). Der Künstler führt uns in die stille Intimität der Bilder, deren subtile Malerei uns alltägliche Szenen vor Augen führt. Menschen, die durch Gesten und Haltung nicht im Sinne des repräsentativen Portraits dargestellt sind, sondern seelischen Gehalt widerspiegeln. Die Tradition der österreichischen Malerei, denken wir an Schiele oder Gerstl, wird hier in unprätentiösem, expressiven Realismus fortgeführt. Hier entfaltet die Malerei ihre abstrakte Schönheit, unaufdringlich, fast beiläufig, jedoch durchaus eindringlich.


ROBERT MUNTEAN

1982 geboren in Leoben
2000- 05 Akademie der Bildenden Künste, Wien bei Prof.Hubert Schmalix
2005 -06 Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
2006 Diplom
Lebt und arbeitet in Leipzig


Die Malerei von Robert Muntean versucht gar nicht erst mit einer Bildwirklichkeit in hoher Auflösung und Schärfe zu konkurrieren oder seine Motive der kühlen Personage der uns umgebenden medialen Kulissen zu entnehmen.
So wird der Pose die Geste entgegengesetzt, nicht die Repräsentation, die Darstellung (Ausstellung), sondern Personen die sich vollkommen in ihren Handlungen aufzuheben scheinen, sie figurieren.
Authentizität und Präsenz entsteht hierbei nicht durch Härte knalliger Flächen und sensationeller Farbexplosionen, vielmehr tritt sie durch eine Art  "Weicherwerden" in Erscheinung, das verschafft den nötigen Abstand, nicht Distanz.
Narrative, erzählerische Momente ergeben sich dadurch nicht vordergründig aus sprachlich, textuellen Versatzstücken und Verweisen, sondern mit den Mitteln von Farbe, Fläche und Struktur.
Kein Simulacrum, sondern ein Bewusstsein dafür, dass Malerei, ganz demokratisch verstanden, in erster Linie Farbe auf einer flachen Oberfläche ist. So wird sein Malprozess mehr durch Verlauf,
Fluss und  Flüchtigkeit  bestimmt anstatt  sich in technischer Perfektion und quasirealistischen Darstellungen und Oberflächen auszuleben.
Malerei wird dabei zu einem Spiel, einem reinen Mittel ohne Zweck. Daher könnte man für die von ihm gewählten Situationen im Sinne des italienischen Philosophen Giorgio Agamben anstatt von privaten vielmehr von "profanen" Momenten sprechen,  seine Malerei selbst wird dabei zu dem Spiel das uns die Dinge und Handlungen  aus der uns entzogenen Sphäre des "Heiligen"  einem neuen Gebrauch zu Verfügung stellt. Nicht die Information sondern die Geste ist das was hierbei letztendlich zählt.
Max Benkendorff, Künstler, Leipzig


Ausstellungen ( Auswahl )

2007 
Art Austria 07; Galerie Gerersdorfer, Wien (Gruppenaust.)

2006
Leipzig retour; Galerie Gerersdorfer, Wien Sub Rosa;
Diplomausstellung, Akademie der Bildenden Künste, Wien (Gruppenaust.)

2005 
Jetzt hier und morgen gestern, Artothek-Galerie, Wien S/W; Forum Stadtpark,
Graz (Gruppenaust., Kat.)

2004
Somewhere else; Steirischer Herbst, Minoriten-Galerie, Graz
Are you famous under your skin?; Stadtgalerie Wolfsberg
Take-away; Galerie Eugen Lendl, Graz (Gruppenaust.)

2003 
Kaiserschmarren; Black Dragon Society, Los Angeles (Gruppenaust.)
Sunday morning; Raum 8, Wien (Kat.)
Art Position 03; Ottakringer Brauerei, Wien (Gruppenaust., Kat.)
Die Blaue Donau und das Schwarze Meer; Literaturmuseum Odessa
(Gruppenaust.)

www.gerersdorfer.at

"Without a sound"

Die neueren Arbeiten des Malers Robert Munteans wirken auf den ersten Blick durch eine klare Reduzierung der verwendeten Elemente. Hierbei handelt es sich um Figur, Farbe und Fläche. Dabei befinden sich Figur und Hintergrund scheinbar in derselben räumlichen  Ebene. Diese Wirkung wird durch einen fließenden Pinselstrich erzeugt, der Figur und Fläche durch seinen Verlauf verbindet. Dadurch treten seine Figuren nicht aus dem sie umgebenden Raum hervor, sondern schweben gleichsam innerhalb der sie umgebenden Farbflächen. Der weiche, zerlaufende Pinselstrich und die durch diesen Gestus entstehende Textur entwickeln dabei selbst räumliche Qualität. So fließen zeichnerische Elemente in farbräumliche Strukturen ein. Diese Strukturen entstehen aus dem malerischen Arbeitsprozess selbst. Der Entstehungsprozess der Bilder zeichnet sich durch ein schicht- für schichtweises Übermalen und Zerlaufen der Flächen, einem Nach- und Übereinander von Farben aus. Der Aufbau eines Bildes entwickelt sich in einem gezielten, fortwährenden Wechselspiel zwischen Kalkül und Intuition, sowie einem Ineinanderspielen und Gegeneinandersetzen von Figurierendem und Abstraktion.
Robert Munteans Affinität zu Haltungen musikalischer Produktion spiegeln sich in dieser Form des Schaffensprozesses wieder. So wird, wie von ihm selbst bekundet, Musik häufig als formaler Gradmesser des eigenen malerischen Bildprozesses verwendet. Die Entwicklung eines Bildes ist daher vergleichbar mit dem Aufbau eines Musikstückes bei dem es auf feinste Differenzen und Verschiebungen in der Intensität und Lautstärke ankommt und somit Lärm, zum Inhalt geworden, selbst melodische Qualitäten annimmt. Malerische Flächen werden dann nicht als visuelle Zitate lesbar- und erfahrbar gemacht, sondern entfalten ihre Wirkung aus der direkten farblichen Empfindungsqualität: reine Geräusche, bloße Farben.
"Without a sound" umschreibt so den Kern und Ausgangspunkt klanglicher und differenzierender  Strukturen: Noise, Lärm, Rauschen. Und an diesem Nullpunkt, sozusagen im Auge des Taifuns, erwartet uns als Abwesenheit Stille. Robert Munteans Malerei ereignet sich an diesem Ort. Max Benkendorff, Künstler aus Leipzig

Robert Muntean konstruiert malerische Innenräume mit dynamischen Vektoren wie Gebälk, Wände und Dachgiebel in die er weibliche Rückenfiguren integriert. Charakteristisch ist sein weicher offener Pinselstrich, der dem Gemälde eine samtige Oberflächentextur und weiche Atmosphäre vermittelt.Mag. Florian Steininger
Kurator Ba-Ca Kunstforum, Wien

Alle Arbeiten schwingen in einer verhaltenen, wohltemperierten Fähigkeit, die einmal stille Zurückhaltung, einmal noble Fadesse oder zart vibrierende Leere ausdrücken mag. Doch gerade durch ihre Verhaltenheit im Kolorit sind diese Arbeiten von bestechender Präsenz. Diese Malerei akzeptiert sich selbst und die in ihr ruhende Stille und verzichtet auf anregende Zerstreuung und wird gerade dadurch stark und überzeugend. Franz Schicho, Katalog 2003

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