Art Award 2/2008

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Im Gebüsch, Mischtechnik auf Leinwand, 35x35cm, 2008 Foto: Reklame Kontor Franc

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Ausstellungsansicht: Nur keine Scheu, in der Strabag Artlounge

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Alte Freundinnen, Mischtechnik auf Leinwand, 35x25cm, 2007 Foto:Reklame Kontor Franc

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Julia Maurer Fotos: Max Moser

JULIA MAURER / NUR KEINE SCHEU

Meine Bilder sind nicht konkret geplant, sie ergeben sich einfach so, in einer Art Experiment; bevor ich beginne, ist die Leinwand leer, ohne Vorzeichnung oder Skizze. Die gibt es nur mit Bleistift auf Papier. Die Zeichnungen sind streng genommen etwas Eigenständiges. Sie sind schneller und direkter. Die Malerei ist eine Reflektion darauf, die den Zeichnungen immer noch sehr verhaftet bleibt.
Bei den Bildern handelt es sich um Darstellungen von Alltagssituationen. Es geht um die (Selbst-)Beobachtung kleiner, psychologischer Details, nicht um große Gefühle, sondern um eine alltägliche Melancholie, die Unbestimmtheit und die -auch körperliche- Ungewissheit des Auf-der-Welt-Seins. Die kleinen Formate tragen zu der Distanz und Ruhe bei, die ich vermitteln will. Die meisten Sujets sind privat und persönlich bis intim, was dem Betrachten etwas Voyeuristisches verleiht. Die Farbgebung und malerische Ungeschliffenheit unterstreichen den flüchtigen und zufälligen Charakter der Bilder. Ihre äußere Form ist ebenso beabsichtigt.
Es wird keine Theorie oder Philosophie vermittelt, sondern ein Gefühl kommuniziert. Die Bilder sind ein stärkeres, besseres und direkteres Mittel, um Emotionen darzustellen, die sich nicht gut in Worte fassen lassen. (Mit Matisse: Maler sind Leute, die nichts zu sagen haben. Und mit Derrida: Ich spreche nur eine Sprache und die ist nicht meine.)

JULIA MAURER

Ein kleiner Raum mit großer Wirkung. In einer russischen Hängung stellt die 1983 geborene Wienerin ihre Bilder dem Publikum vor. Unterschiedliche Kleinformate sind dicht gedrängt auf lediglich zwei Wänden gehängt, auslaufen lässt Julia Maurer die Präsentation ihrer Malerei mit Zeichnungen. Kleine „Papierfetzen“, auf denen Geschichten erzählt werden, die zur Betrachtung aber auch zum Schmunzeln einladen. So ganz unterschiedlich fallen bei ihr die Malerei und die Zeichnung aus. Mit gekonnt schnellem Strich skizziert sie Alltagsszenen, sei es etwa ein Skispringer, eine Klavierspielerin oder auch eine ältere Dame mit Stock. “Die Zeichnungen passieren einfach“, sagt Julia Maurer, die ­letzten Sommer ihr Diplom in der Abstraktionsklasse von Erwin Bohatsch absolviert hat. Anders die Malerei. Auch wenn das fertige Bild dies verbirgt, so startet die Malerei mit einer sehr fröhlich farbigen Palette. Nach und nach werden die Schichten auf den Malgrund aufgetragen und das Bild verdunkelt sich zusehends, wobei die letzte - oft als schwarze Schicht - als solche auf den Bildträger kommt und sich nicht durch die Überlagerungen der Farben ergibt. Der Betrachter steht schließlich vor einer dunklen Arbeit, die mit mannigfaltigen Graunuancen spielt. In ihrer Diplomarbeit spricht Julia Maurer von der „alltäglichen Melancholie“, die sich auf ihren Bildern abspielt…. Eva-Maria Bechter, Textauszug Ausst. MUSA, Wien 2008, „Lieber Nichts sagen“

JULIA MAURER / NUR KEINE SCHEU

Wie auch im letzten Jahr dominiert der Kanon der Figuration die Medien Malerei und Zeichnung der jungen zeitgenös­sischen Künstler. Dabei lässt sich ein breites Spektrum der formalen und thematischen Möglichkeiten erkennen. Sie reicht von sachlich fotografisch orientierten Artikulationen bis zu Beispielen, in denen die Arbeitsmittel selbst in den Vordergrund treten.
Julia Maurer hat sich primär dem Kleinformat verschrieben. Meist in fahlen und erdigen Farben operierend, malt die junge Künstlerin zarte fragile Bilder mit persönlich an­mutenden Inhalten. Diese Malereien zeugen von Stille und Lyrik: Romantische Atmosphäre macht sich breit: ein Schifahrer in Rückenansicht, ein Baum in der Weite der Landschaft.
Florian Steininger, Jurymitglied des Strabag Artaward, Kurator Bank Austria Kunstforum

JULIA MAURER

1983 geboren in Wien
2002-07 Studium der Malerei bei Walter Obholzer und Erwin Bohatsch an der Akademie der bildenden Künste, Wien, Diploma
2005 Aufenthalt an der Glasgow School of Art
Lebt und arbeitet in Wien

Ausstellungsauswahl


2008 Lieber nichts sagen, MUSA, Museum auf Abruf, Wien
2007 Studenten von Erwin Bohatsch, Galerie Bleich-Rossi, Wien Potzblitz, Swingr-Raum auf Zeit, Wien Im Zentrum am Rand, Weinstadtmuseum Krems,
2006 Jahresausstellung der Akademie, Kuratorenprojekt, Wien Smile sweetheart, Ebendorf RaumAcht, Wien
2004 Walter Obholzer und Studenten, Galerie 422, Gmunden
2003 Alternative Jahresausstellung, Area 53, Wien

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