Art Award 2/2007

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Serie: In der Baufirma, Acryl auf Leinwand, 2007

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LakePointTower/Chicago # 2,Öl auf Leinwand, 140 x 190 cm, 2005

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Serie: Osambashi Pier, Acryl auf Leinwand, 2007

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Serie: Im Sankeien Garten Öl auf Leinwand, 100 x 140 cm, 2007

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MONI K. HUBER

Für ihre Einzelausstellung in der Strabag Artlounge hat Moni K. Huber die neue Serie In der Baufirma geschaffen. Die in Salzburg geborene Künstlerin studierte in Madrid, später an der Hochschule für angewandte Kunst und lebt und arbeitet in Wien. Etliche Auslandsaufenthalte und die damit zusammenhängenden Projekte, Serien und Selbstinszenierungen beinhalten Themen wie Landschaft, Architektur, Tradition und Moderne. Ihre wichtigsten Serien Pools, Lofts (Location of the Leisure Class, Katalog), Backstage Tourismus, Panorama- Wagrain oder Lake Point View  zeigen auf kritisch-ironische Weise das oft absurde Eingebundensein und Verhalten des Menschen in seinem Umfeld. Viele Sequenzen entstanden auf der Grundlage von Videostills oder Fotos. Die Künstlerin zeigt in ihren Bildern seit einigen Jahren das Wechselverhältnis zwischen der sogenannten „Leisure Class“ (Freizeitklasse) und der für sie geschaffenen,  modernen Architektur, die den Menschen wie eine in ihrer Autonomie erstarrte Skulptur integriert. Architektonisches und Konstruktives treffen in Moni K. Hubers Bildern in zeitlicher Abfolge auf atmosphärische Landschaftsausschnitte. Das Filmische der Bildfolge, die Fragmentierung eines in Anonymität zugebrachten privaten Augenblicks, finden sich in den dargestellten Situationen wieder. Das Betrachten der Bilder im Wechselspiel von Beobachten und Beobachtetwerden, Wahrnehmung und Identität, das Weglassen von Eindeutigem im „Beobachtungsraum“ machen die Einprägsamkeit der Werke aus.
Barbara Baum, Strabag Kunstforum

„[…] Die Hundemänner tauchen auch in der zweiten großen Bildergruppe Moni K. Hubers auf, die in einer Upper Class-Wohnung im 67. Stock des Lake Point Tower am Ufer des Michigansees in Chicago spielt. Dieses von einem Entwurf Mies van der Rohes von 1921 inspirierte, von John Heinrich und George Schipporeit geplante und 1968 fertiggestellte Gebäude war mit seinen 70 Geschoßen lange Zeit das höchste Wohngebäude der Welt. Mit seinem stromlinienförmig abgerundeten, dreiflügeligen Grundriss und seiner rundum freie Sicht gewährenden gläsernen Vorhangfassade ist es so etwas wie die monumentale Apotheose des „befreiten Wohnens“. Die ohne Ecken in leichter Biegung durchlaufende Fensterwand bietet ein atemberaubendes Panorama im Cinemascope-Format, das nur ab und zu von den nach innen versetzten Stahlbetonpfeilern unterbrochen wird. Boden und Decke sind als glatte, helle Scheiben ausgebildet, die den Blick ganz auf das Panorama fokussieren. Man könnte sagen: Das Fehlen von Einbauten und größeren Möbeln transferiert das Raumerlebnis nahezu völlig in ein rein optisches, vom Fernbild des Panoramas absorbiertes. Die loftartige Wohnung wird zur Sehmaschine, zum gebauten Auge, und steht in der langen Tradition jener panoptischen, für die modernen Disziplinierungsgesellschaften so signifikanten Gebäude, die Michel Foucault in „Überwachen und Strafen“ beschrieben hat.
Die Künstlerin hat sich selbst als die Regentin dieses Allmachtsphantasien beflügelnden Beobachtungsraumes inszeniert (eine Gelegenheit, die sich ihr aufgrund ihres „offiziellen“ Status als österreichischer Artist in residence in Chicago bot). Im Cocktailkleid und mit verspiegelter (!) Brille geriert sie sich als mondäne Hausherrin, während die Hunde-maskierten Männer nackt oder nur mit (österreichisch-patriotischen) rotweißroten Badehosen bekleidet und in unterwürfiger Haltung in dem für sie sichtlich ungewohnten Ambiente posieren.


Moni K. Hubers Bilder changieren zwischen malerischer Atmosphäre und konkret konstruktiver Komposition, wenn sie etwa einen Blick aus dem Bungalow in die Umgebung gewährt.
Mag. Florian Steininger Kurator Ba-Ca Kunstforum, Wien

Moni K. Huber gelingt es, ihre kritische Auseinandersetzung mit dem Modernismus auf eine sehr subtile und spielerische Weise zu führen. Ihre Bilder sind nicht illustrierte Theorie, sondern überzeugen vor allem als autonome, ebenso überraschende wie konzentrierte Bildfindungen, deren Interpretation sich in den wenigen Andeutungen, die hier gemacht werden konnten, bei weitem nicht erschöpft.“ (Anselm Wagner)


Zu der Serie „im Sankeien Garten, Yokohama“

Während meines Aufenthaltes in Yokohama ging ich viel spazieren. Um mich herum ein futuristisches Gewirr an Hochhäusern, Neubauten, Bürotürmen, errichtet auf landfill - aufgeschüttetem, dem Meer abgewonnenen Land. In der Sommerschwüle flirrten Kräne, Leuchtschriften, Werbung und Konsum. Da ich nur mit den Augen malen konnte, überlegte ich immer wieder, wie ich meine neue Bilderserie anlegen und welche dieser Elemente ich einbauen würde.
Zurück im Atelier in Österreich griff ich zu einer ganz anderen Vorlage: Es war meine Fotoserie aus dem Sankeien-Garten in Yokohama. Der Park war Ende des 19. Jahrhunderts, zur Zeit der forcierten Industrialisierung Japans, von einem Großindustriellen angelegt worden, der im ganzen Land traditionelle japanische Häuser, Tempel und Schreine demontiert und in seiner landschaftlichen Gartenanlage wiederaufgebaut hat. Heute ist der Park eine Grünoase inmitten des unabsehbaren Häusermeers des Großraums Tokio-Yokohama und eine Art Freilichtmuseum, in dem die Japaner ihre eigene Vergangenheit besuchen. Das alte Japan, das man in Form atmosphärischer Gärten und traditioneller Häuser aus Holz und Papier an Japanbildern im Kopf hat, ist also ebenso künstlich wie die Gebiete meiner langen Spaziergänge um die Yokohamabay.
Moni K. Huber


MONI K. HUBER

1969 in Salzburg geboren
1987-88 Kunstakademie San Fernando, Madrid
1988-93 Hochschule für angewandte Kunst, Wien
1994-2005 Assistenz an der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst, Salzburg
1999-2000 Projekt in Mendoza, Argentinien
2002 Theodor-Körner-Preis
2004 Artist-in-Residence, Chicago
2006 Arbeitsaufenthalt in Yokohama, Japan
Lebt und arbeitet in Wien


Ausstellungen (Auswahl)

2006       
Im Lake Point Tower; Galerie Unart, Villach
Galerie Altnöder zeigt Bilder in dem Büro der Altstadtwerbung,     
Wau, Wau; der Hund in der bildenden Kunst, Galerie Art Mark,
Spital Phyrn, Altaussee (Gruppenaust.)

2005          
Im Garten; Galerie im Traklhaus (Gruppenaust., Kat.)
Katalog leisure class anlässlich einer Ausstellung in der Galerie
Traklhaus, 2005
Der transatlantische Hund; Galerie Pro Arte, Hallein
As, on, and about painting; Museum of Contemporary Photography,
Chicago (Gruppenaust.)
Heimart, die Rezeption des Heimatlichen u. typisch Österreichischen in
der zeitgenöss. Kunst; Deutschvilla, Strobl am Wolfgangsee      
Wasserspiegelbild; Galerie Wolfrum, Wien (Gruppenaust.)
Volle Tube; Galerie der Stadt Wels (Gruppenaust.)

2004
Farbe + Kontraste und Nebenwirkungen; Kunsthaus Essen
Water aspects; ARTlab Galerie Hilger, Wien (Gruppenaust.)
Backstage*tourismus; Forum Stadtpark, Graz (Gruppenaust.)
Waterresistent; Wasserturm, Wien (Gruppenaust.)

2003         
Leisure Class; ARTlab Galerie Hilger, Galerie Exner, Wien                  
(Gruppenaust.)
Multiples; Jahresausstellung im Salzburger Kunstverein, Salzburg
(Gruppenaust.)

www.galerie-unart.at
www.moni-k-huber.at

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